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Das Besser-Esser-KonzeptPädagogische Hilfe auf dem Weg zu einer gesunden und regional-biologischen Schulverpflegung
Praktische Erfahrungen aus einem Modellversuch in Nordhessen Kann man die heutigen Kinder überhaupt noch für ein regional-biologisches Mittagessen gewinnen? Sind die Vorbehalte der McDonalds-Generation gegenüber fadem und freudlosem „Öko-Fraß“ nicht unüberwindbar groß? Diesen Fragen ist das Umweltbildungszentrum Licherode als Partner der Universität Kassel im Rahmen des nordhessischen Modellprojekts „Regional-biologische Schulverpflegung“ nachgegangen. Im Ökologischen Schullandheim im nordhessischen Dörfchen Alheim-Licherode wurden in den letzten elf Jahren 35.000 Schulkinder regional-biologisch verpflegt. Aufbauend auf den meist positiven Erfahrungen hat ein Licheröder Projektteam nun in Kooperation mit dem hessischen Amt für Lehrerbildung (AfL) und mit Unterstützung der Lernenden Regionen HRWM die Aufgabe übernommen, Modellschulen bei der Umstellung auf regional-biologische Verpflegung zu begleiten. Als Kernstück wurde eine kompakte Projektwoche für Kinder im Alter von 8 bis 12 Jahren entwickelt, die sich am Konzept „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ orientiert:
Entstanden ist nach einjähriger Entwicklungsarbeit die so genannte „Besser-Esser-Woche“, bei der es um gesunde Ernährung, regionale Landwirtschaft und biologischen Landbau geht. Das aber nicht langweilig und trocken, sondern aktiv und mit allen Sinnen. Die Kinder hocken nicht im Klassenzimmer, sondern es geht auf den Bauernhof und in die Schulküche. Und am Ende gibt es sogar ein Zertifikat, den „Besser-Esser-Pass“, der dann quasi die Eintrittskarte für ein gesundes und regional-biologisches Schulessen darstellt. Hier die fünf Bausteine der „Besser-Esser-Woche“:Tag 1 Die Lernwerkstatt Ernährung - Ein spannender Einstieg mit allen SinnenDie Schüler bearbeiten in Kleingruppen zehn unterschiedliche Stationen zum Thema Ernährung. Wer „erschmeckt“ Brotsorten mit verbundenen Augen? Wie viele Stück Würfelzucker sind Cola, Ketchup und Fruchtzwergen? Wer kann Gewürze am Geruch bestimmen? Es wird getastet, gefühlt, geschmeckt und gerochen … und jeder darf sich sogar sein eigenes leckeres Öko-Pausen-Brötchen zubereiten. Mindestens genauso wichtig wie die handlungsorientierten Stationen ist die ausgiebige Nachbesprechung im Anschluss an die Stationsarbeit. Tag 2 Der Besuch auf dem Biohof - Biolandbau aus erster HandEinen Vormittag lang erkunden die Kinder einen Biohof, der natürlich zu den Zulieferern der Schulküche oder des Öko-Caterers gehört, und lernen die Menschen persönlich kennen, die Lebensmittel für die Schulküche produzieren. Die Klassen werden in vier Gruppen aufgeteilt und gehen dem ökologischem Landbau auf die Spur - natürlich nicht nur durch Zuschauen, sondern auch durch eigenes Mitanpacken. Es wird Getreide mit der Hand gemahlen, die Schweine werden gefüttert, es wird je nach Jahreszeit eingesät, pikiert und natürlich auch geerntet. Und in der „Lernwerkstatt Ökolandbau“ erfahren die Schüler Wissenswertes und Spannendes über Landwirtschaft und ihre Erzeugnisse. Tag 3 Gemeinsam kochen und gemeinsam genießenUnter fachlicher Anleitung wird in der Schulküche Gemüse geschnibbelt und Salat geputzt, es wird gebrutzelt und gekocht, und dabei möglichst viel von dem verarbeitet, was am Vortag auf dem Biohof selber geerntet wurde. So schließt sich ein kleiner exemplarischer Kreislauf von der Ur-Produktion bis in die Schulkantine. Und hier leistet jeder seinen eigenen Beitrag, egal ob beim Kochen, beim Dekorieren oder beim Eindecken. Und schließlich wird das schmackhafte Menü natürlich auch gemeinsam genossen. Tag 4 Auswerten, diskutieren, präsentierenDer vierte Tag dient der Auswertung, dem vertiefenden Gespräch und der Erarbeitung einer eigenen Präsentation in Gruppenarbeit. Dem Alter angemessen wird das bisher Erlebte und Erlernte diskutiert und auf eigene Zusammenhänge übertragen. Beispiele für konkrete Aufgabenstellungen sind Dokumentationen und Ausstellungen zur Projektwoche, die Gestaltung von Speiseplänen für die Schulkantine, Vorschläge für das Sortiment des Schulkiosk, Bio-Dekoration der Cafeteria oder auch Umfragen bei Mitschülern und Lehrern zum Thema regionale Biokost. Tag 5 Der „Besser-Esser-Pass“ - verdiente Anerkennung und BelohnungAm letzten Tag der Projektwoche werden die Ergebnisse der Gruppenarbeiten vorgestellt, und die Projektwoche wird in einem zusammenfassenden Abschlussgespräch vertieft. Schließlich erhalten die Schülerinnen und Schüler in einer Feierstunde ihr ganz offizielles Zertifikat, den „Besser-Esser-Pass“, der nicht nur vom Umweltpädagogen und Schulleiter unterzeichnet ist, sondern der sogar das Logo des Bundesministeriums für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft trägt. Die Inhalte der Woche und bei älteren Kindern auch die individuellen Leistungen werden im Zertifikat klar wieder gegeben. Die „Besser-Esser-Woche“ wurde an verschiedenen Modellschulen und in Licherode mit Schulklassen der Jahrgänge 3 bis 6 über zwanzig Mal erprobt und weiter entwickelt, und das sowohl im Regelunterricht als auch im Nachmittagsangebot. Die Projektwochen wurden von der Universität Kassel im Rahmen einer Diplomarbeit evaluiert, Sinnhaftigkeit und Wirksamkeit der „Besser-Esser-Woche“ werden dort eindrucksvoll belegt. Besonders ermutigend waren die Ergebnisse an der Eckhardt-Vonhold-Schule (EVS), einer Grundschule mit Ganztagsangeboten in Schwalmstadt-Treysa. Dort wurde das gesamte Kollegium im Rahmen eines Pädagogischen Tages in Licherode mit den Zielsetzungen und den Inhalten der „Besser-Esser-Woche“ vertraut gemacht. Die EVS wird die „Besser-Esser-Woche“ zukünftig mit allen dritten Klassen eigenständig durchführen, der „Besser-Esser-Pass“ hat somit, wie z. B. ein „Fahrrad-Pass“ oder ein „Freischwimmer-Ausweis“, seinen festen Platz im Schulprogramm gefunden. Und einiges bewegt hat die „Besser-Esser-Woche“ auch bei den Kindern: Die Akzeptanz gesunder und regionaler Biokost, dies belegen die Erfahrungen aus dem Pilotprojekt, hat ganz spürbar zugenommen hat. Mit der „Besser-Esser-Woche“ wurde ein wirksames Instrument entwickelt, das die Themen „Ökologischer Landbau“ und „Gesunde Ernährung“ kindgerecht und anschaulich miteinander verknüpft. Sie kann einen Beitrag leisten, zeitgemäße Konzepte der Umweltbildung (ganzheitliche Ausrichtung, Berücksichtigung der Nachhaltigkeit, Zertifizierung) in den Prozess der Ernährungsumstellung an Ganztagsschulen einzubringen. Entscheidend ist dabei die dauerhafte Verankerung solcher Ansätze im Schulprogramm und somit im Schulleben als Ganzes. Zur Zeit planen das Staatliche Schulamt Bebra und
das Umweltbildungszentrum Licherode eine weitere Modellphase, um das
Besser-Esser-Konzept an Ganztagsschulen der Lernenden Regionen HRWM zu
erproben und zu verankern. Ökologisches Schullandheim Licherode - Zentrum für praxisnahe Umweltbildung |
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:: Umweltbildungszentrum Licherode e.V. - Ökologisches Schullandheim und Tagungshaus (ÖSTLi) :: Lindenstraße 14 :: 36211 Alheim - Licherode :: :: oekonetz.licherode@t-online.de :: Telefon: +49 (0) 56 64 - 94 86 - 0 :: |
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