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Wieder von den Alten lernen - Senioren als Umwelttrainer für Kinder

Klaus Adamaschek, Amt für Lehrerbildung

Unsere Gesellschaft kann es sicher nicht leisten, auf die besonderen Kompetenzen zu verzichten, über die die ältere Generation gerade im Umweltbereich verfügt. 

Aber wie kann man engagementbereite Senioren fit dafür machen, Wissen und Erfahrungen über Natur und Umwelt an Kinder und Jugendliche weiterzugeben? Und wie kann man Senior-Referenten erfolgreich in schulische Bildungsarbeit eingliedern?

Diesen Fragen geht des Umweltbildungszentrum Licherode gemeinsam mit dem Amt für Lehrerbildung im Rahmen zweier bundesweiter Pilotprojekte nach.


Umweltbildungswochen für über 30.000 Kinder

Rund um Alheim-Licherode im nordhessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg hat sich in den letzten zwölf Jahren ein ganz besonderes Netzwerk für eine praxisnahe Umweltbildung von Kindern und Jugendlichen entwickelt. Initiator und Kristallisationspunkt dieser Entwicklung ist das Umweltbildungszentrum in Licherode. Am Ökologischen Schullandheim Licherode haben seit 1995 über 30.000 Schulkinder vor allem aus Hessen Umweltbildungswochen verbracht und haben dabei spielerisch vieles über Natur, ökologische Zusammenhänge und die eigenen Lebensgrundlagen gelernt. Hinzu kommen praxisnahe Angebote in der Aus- und Fortbildung von Pädagogen in enger Kooperation mit dem Amt für Lehrerbildung.

Unterstützt wird das Licheröder Umweltzentrum bei seiner Bildungsarbeit von einem umfassenden Netzwerk regionaler Kooperationspartnerschaften. Über 50 Partner und Betriebe, darunter Biolandwirte, Handwerker, Künstler, Naturschützer und Förster geben Kindern und Lehrern authentischen Einblick in die tägliche Praxis und die Hintergründe ihrer Arbeit. Unter diesen Kooperationspartnern finden sich auffällig viele ältere Menschen.

Auch Senioren brauchen pädagogisches Rüstzeug

Die Erfahrungen in der alltäglichen Licheröder Bildungsarbeit belegen, dass ältere Menschen über 55 Jahre, also sogenannte „Senioren“, gerade im Umweltbereich über wichtige Erfahrungen verfügen, die eine sehr lebendige Bereicherung z. B. für die Nachmittagsangebote an Ganztagsschulen darstellen könnten. Und dass Senioren oft einen besseren Zugang zu Kindern als deren eigene Eltern oder auch Lehrer.

Auf der anderen Seite entwickeln sich aber nicht automatisch wundersame Lernprozesse, wenn man einen 60-jährigen Vogelexperten und eine Schulklasse gemeinsam auf eine Waldlichtung stellt. Denn vielen Senioren fehlt das methodische und didaktische Rüstzeug für kindgerechte umweltpädagogische Arbeit.

Vor diesem Hintergrund hat Licherode den Zertifikatslehrgang „Senioren als Umwelttrainer für Kinder und Jugendliche“ entwickelt. In einem 60 Unterrichtsstunden umfassenden Fortbildungslehrgang werden engagementbereite Senioren in die Lage versetzt, authentische Erfahrungen und erworbenes Wissen in Bereichen wie Gesundheit, Ernährung, Energie, Umwelt- und Naturschutz kindgerecht und pädagogisch sinnvoll an Schulkinder weiterzugeben.

Im Verlauf des Lehrgangs wechseln sich Theorieblöcke im Licheröder Tagungspavillon und praktische Übungen am Teich, im Wald und in der Werkstatt ab. Hinzu kommen Hospitationen an Schulen und im Umweltzentrum Licherode. Durchgeführt werden die Lehrgänge vom Didaktik-Experten Wolfgang Ellenberger, dem Umweltpädagogen Johannes Lutz und Klaus Adamaschek vom Amt für Lehrerbildung als Projektleiter. Zuständig für die wissenschaftliche Begleitung und Evaluation ist Dr. Claudia Olejniczak vom Institut für Entwicklungsplanung und Strukturforschung an der Uni Hannover.

Von Naturkosmetik bis Sonnenenergie

Am Ende des Lehrgangs, der sich über mehrere Monate zieht, erarbeitet jeder Teilnehmer sein eigenes Praxisprojekt, das er zukünftig als Senior-Umwelttrainer an Kinder und Jugendliche weitergeben kann. Der Lehrgang endet mit einem vom Staatlichen Schulamt Bebra und der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) anerkannten offiziellen Zertifikat, das quasi als „Eintrittskarte“ in die Referententätigkeit an Schulen und Kindergärten dient.

„Kosmetik aus der Natur“, „Energie-Sklaven im Haushalt“, „Vom Korn zum Brot“ oder „Von der Kaulquappe zum Frosch“ – das sind nur einige Beispiele für die Themen der mittlerweile 25 in Licherode ausgebildeten Senior-Umwelttrainer. Aufgelistet sind die vielfältigen Angebote in der Referenten-Datei der Lernenden Regionen Hersfeld-Rotenburg /Werra-Meißner, die das Projekt intensiv unterstützen.

Aber damit ist die Arbeit für das Licheröder Projektteam noch nicht beendet. Denn die Erfahrung zeigt, dass viele gut gemeinte Konzepte zur Einbindung ehrenamtlicher Experten in schulische Bildungsarbeit in der konkreten Umsetzung scheitern, z. B. an mangelnder Koordination oder fehlenden Kooperationsstrukturen. Die Senioren-Referenten dürfen in ihrem neuen Tätigkeitsbereich nicht allein gelassen werden, sondern brauchen Unterstützung.

Erprobung einer „Senioren-Referenten-Datei“

Welche Faktoren lassen die Einbindung von qualifizierten und engagementwilligen Senioren in die Umweltbildungsarbeit nun auch wirklich zu einem dauerhaften Erfolg werden? Das ist die Fragestellung eines neuen Modellversuches, den Licherode von September 2006 bis August 2008 mit drei Schulen und drei Kindergärten im Raum Alheim und Rotenburg durchführt. Unterstützt wird das Pilotprojekt von der Robert-Bosch-Stiftung, der Bürgerstiftung Hersfeld-Rotenburg und den Lernenden Regionen Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meißner

Mit einem ganzen Bündel von flankierenden Maßnahmen soll der Einsatz der ausgebildeten Senioren-Referenten an Schulen und Kindergärten in der Region um Rotenburg an der Fulda konzeptionell und professionell begleitet werden. Zu den geplanten Maßnahmen gehören u. a. eine enge Einbindung der Senior-Referenten ins Kollegium, regelmäßige Revisionstermine und die Benennung von „Partnerlehrern“ an den Einsatzschulen.

Das Licheröder Modellprojekt „Senioren als Umwelttrainer für Kinder“ hat eine bundesweite Resonanz hervorgerufen, so wurde u. a. in der Frankfurter Rundschau und im Hessischen Fernsehen ausführlich berichtet. Mittlerweile haben Bildungsträger aus verschiedenen Bundesländern Interesse am Konzept angemeldet. Am 13. Oktober 2006 wurde das Konzept in Baden-Baden mit dem „Otto-Mühlschlegel-Preis 2006 – Zukunft Alter“ der Robert-Bosch-Stiftung ausgezeichnet.

Literaturtipp zum bundesweiten „Generationennetzwerk Umwelt“ und zum Licheröder Umwelttrainer-Konzept:

Olejniczak, Claudia; Geißler, Clemens (Hrsg.): Alt und Jung – Generationen in der Umweltbildung und Naturschutzarbeit. Praxisbuch. Hannover 2006.

"Eine Auflistung der Referenten finden Sie in der Bildungsdatenbank der Lernenden Regionen Hersfeld-Rotenburg/Werra-Meissner"

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