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Ergebnisse einer Fragebogen-Untersuchung an Schulen im Raum Köln-Bonn-Koblenz im Rahmen der UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“

Umwelt-Klassenfahrten leisten bereits heute einen wichtigen praxisnahen Beitrag für die Umweltbildung an Schulen. Dieser Beitrag könnte jedoch noch deutlich ausgebaut werden. Denn wenn die inhaltlichen Angebote, der Preis und weitere Rahmenbedingungen stimmen, gibt es an Schulen ein enormes Interesse und eine hohe Bereitschaft, die Angebote außerschulischer Umweltbildungseinrichtungen im Rahmen von Klassenfahrten zu nutzen.

Das ist das wichtigste Ergebnis einer Fragebogenuntersuchung, die das hessische Umweltbildungszentrum Licherode im Auftrag des saarländischen Zweckverbands Illrenaturierung an über 600 Schulen im Köln-Bonner-Raum durchgeführt hat.  Vorrangiges Ziel war es dabei, die Marktchancen des neuen Naturerlebniszentrums „BiberBurg Berschweiler“ im Saarland speziell an Schulen im Rheinland auszuloten.

Die Befragung, die im Rahmen der UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ in einer Länder übergreifenden Kooperation zwischen dem Saarland, Hessen und Nordrhein-Westfalen durchgeführt wurde, liefert aber auch weitere konkrete Hinweise zu den schulischen Rahmenbedingungen und Interessenlagen in Bezug auf Umwelt-Klassenfahrten.

Ein Unesco-prämierter Lernort im Saarland

Im Sankt Wendeler Land, ca. 40 km nordöstlich von Saarbrücken und 200 km südlich von Köln, wurden in den letzten 15 Jahren die Täler der Ill und ihrer Nebenbäche zu einem „Vorzeigeschutzgebiet“ von europaweiter Bedeutung umgestaltet. Dem Aspekt der Nachhaltigkeit kam dabei zentrale Bedeutung zu. So ist es u. a. mit der Wiederansiedlung des Bibers gelungen, die Natur selbst zum Baumeister und Garanten der Renaturierung zu machen.

Über eine neue und kindgerechte Umweltbildungseinrichtung, die BiberBurg Berschweiler, sollen diese außergewöhnlichen Potenziale nun gezielt für die Umweltbildung von Kindern genutzt werden, und das über die Grenzen des Saarlandes hinaus. Schwerpunktthemen sind Wasser und Wald, Natur- und Artenschutz und Energie. Die BiberBurg Berschweiler wurde von der Unesco am 29. November 2006 in Bonn als of-fizielles Projekt der UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ausgezeichnet.

Aufwändige Untersuchung in Länder übergreifender Kooperation

Die Untersuchung ging von der Hypothese aus, dass insbesondere der Themenschwerpunkt Wasser und Renaturierung gerade für Schulen an Rhein und Mosel von besonderem Interesse sein sollten. Köln, Bonn und Koblenz liegen flussabwärts und damit sozusagen dort, wo zumindest aus Berschweiler mit Hilfe des Bibers zukünftig kein Hochwasser mehr hinfließt.

Als potenzielle Nutzer kommen die Schulklassen 3 bis 7 aller Schulformen in Frage. Diese Schulen wurden nun im Rahmen einer groß angelegten Befragung zu ihren Interessen und Schwerpunkten befragt.

Mit der Untersuchung beauftragt wurde das hessische Umweltbildungszentrum Licherode, das bereits zweimal als UN-Dekade-Projekt ausgezeichnet wurde und eng mit dem hessischen Amt für Lehrerbildung zusammen arbeitet. Durchgeführt und ausgewertet wurde die Untersuchung im Zeitraum von Oktober 2006 bis Februar 2007 unter Federführung der Betriebswirtschafterin Angelika Adamaschek.

Insgesamt wurden 605 Schulen angesprochen, davon allein 275 in Köln. Die entspre-chenden Fragebögen wurden über die fünf Schulämter der Städte bzw. Kreise Köln, Koblenz, Neuwied, Bonn und Rhein-Sieg an die Schulleitungen verteilt. Bedient wurden dabei jeweils - soweit vorhanden - die Grundschulen, Hauptschulen, Realschulen, Gymnasien, Gesamtschulen und Förderschulen.

36 der 605 angesprochenen Schulen haben die Fragebögen bearbeitet und zurückgeschickt, die Rücklaufquote von 6 % liegt im üblichen Bereich und lässt repräsentative Aussagen zu. In diesem Querschnitt sind, bis auf die Förderschulen, alle Schulformen vertreten. Gut die Hälfte der teilnehmenden Schulen waren Grundschulen, ebenfalls mit fast 50 % vertreten waren Schulen, die nach eigener Einschätzung in sozialen Brennpunkten liegen. Bearbeitet wurden die Fragebögen in der Regel von Funktionsträgern und somit erfahrenen Lehrkräften.

Unter den eingegangenen Rückantworten wurde als Belohnung eine einwöchige Klassenfahrt ins „Biberland“ verlost. Glückliche Gewinner waren die 23 Schülerinnen und Schüler der Klasse 2a der Gemeinschaftsgrundschule Loreleystraße im Kölner Süden. Im Rahmen einer spannenden „Biberstunde“ wurde ihnen ein Gutschein für einen einwöchigen Aufenthalt im Naturerlebniszentrum „BiberBurg Berschweiler“ im Wert von ca. 2.500 Euro überreicht.

Bildung für Nachhaltigkeit ist in den Schulprogrammen verankert

Klassenfahrten sind, trotz der intensiven Belastungen der Lehrkräfte, nach wie vor wichtiger Bestandteil des Schullebens. So finden an allen beteiligten Schulen Klassenfahrten statt, an der überwältigenden Mehrheit (89 %) sogar regelmäßig. Die höchste „Reisedichte“ ergibt sich zum Ende der Grundschulzeit: Im 4. Schuljahr führen fast alle befragten Schulen mehrtägige Klassenfahrten durch.

Klassenfahrten sind Bildungsveranstaltungen und sollen daher in Einklang mit dem Schulprogramm stehen. Ist zum Beispiel Umweltbildung als Querschnittsaufgabe im Schulprogramm verankert, so werden auch Klassenfahrten verstärkt für dieses Leitziel genutzt. In diesem Zusammenhang wurde auch der Frage nachgegangen, wie weit die befragten Lehrkräfte einen Bezug zwischen den Zielsetzungen der UN-Weltdekade „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ und dem eigenen Schulprogramm herstellen können.

Am ausgeprägtesten waren die Verbindungen beim Thema „Gesundheit“, die bei 61 % der Schulen als zentrale Aufgabe im Schulprogramm verankert ist. Zusammen mit den 34 % Nennungen für die Aufgabe „Ernährungsbildung“ ergibt sich hier ein klarer Schwerpunkt im gesundheitlich-präventiven Bereich.

Der noch relativ junge Begriff „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ taucht immerhin bereits bei 39% der Schulen im Schulprogramm auf. „Umweltbildung“ ist demgegenüber nur bei 25 % der Schulen explizit im Schulprogramm genannt, der zugegeben etwas sperrige Begriff „Ökologische Bildung“ taucht in den Schulprogrammen überhaupt nicht auf.

Die Rahmenbedingungen müssen stimmen

Bei der konkreten Entscheidung für eine Umwelt-Klassenfahrt hilft der Blick ins Schulprogramm allerdings wenig. Bei der Vorinformation über mögliche Fahrtziele greifen interessanterweise immer noch 80 %  der befragten Lehrkräfte bevorzugt auf „klassische“ Broschüren zurück, das Internet wird nur von 50 % aktiv für die Entscheidungsfindung genutzt.

Eine zentrale Rolle spielt bei der Entscheidung für eine Klassenfahrt der Preis; der soziale Aspekt ist somit determinierender Faktor auch für Umwelt-Klassenfahrten. Bundesweit schwankt der Preis für eine fünftägige Umweltbildungswoche mit Programm, Unterkunft und Verpflegung (leider nicht immer in Bio-Qualität) zwischen 100,- und 160,- €, hinzukommen noch Kosten für die Anreise und evtl. weitere Nebenkosten.

Die BiberBurg Berschweiler hat sich mit einem Wochensatz von 99,- € bewusst für eine soziale Ausrichtung entschieden. 72 % der Befragten halten einen solchen Preis für akzeptabel, nur 11 % halten dies für ihre Klassen für nicht zumutbar. Die „soziale Schmerzgrenze“, bei der gerade Schulen aus sozialen Brennpunkten als Nutzer aus-scheiden, liegt inkl. Anreise bei ca. 150,- €.

Der zweite wichtige Aspekt für die Entscheidung für Klassenfahrtziele ist die Entfer-nung. Hier werden ganz klar kurze Wege bevorzugt, die Anreise sollte nicht länger als drei bis vier Stunden dauern. Eine Entfernung von bis zu 250 km hält aber die Hälfte der Schulen auch für Grundschüler noch für zumutbar, für nur 19 % ist ein solcher Anreiseweg bereits ein Ausschlusskriterium.

Naturschutz, Wald und Biber als absolute Renner

Umwelt-Klassenfahrten erschließen naturnahe Lernorte, über die Schulen in städtischen Bereichen nicht verfügen können. Der Ansatz, solche Potenziale über umweltpädagogisch begleitete Projektwochen im Rahmen von Klassenfahrten anzubieten, ist in der Untersuchung auf enorme Zustimmung getroffen. Das ganzheitliche umweltpädagogische Grundkonzept der BiberBurg Berschweiler wurde von allen Befragten als sehr sinnvoll und interessant empfunden.

Dass dies nicht unbedingt mit der Entlastung der Lehrkräfte durch den hohen Be-treuungs-Service von Umweltbildungseinrichtungen zusammenhängt, belegt ein anderes interessantes Ergebnis. Gefragt wurde nach der Bereitschaft, im Vorfeld der Klassenfahrt an einem Vorbereitungsseminar u. a. zum Konzept von BNE teilzunehmen. 70% der Lehrkräfte hält ein solches Vorbereitungsseminar für grundsätzlich sinnvoll, und immerhin 60% der Befragten wären sogar tatsächlich bereit, trotz der damit verbundenen erheblichen Zusatzbelastung an einer solchen Maßnahme teilzunehmen.

Hier zeigt sich deutlich, dass Umwelt-Klassenfahrten auch Fortbildung für die Lehrkräfte bedeutet. So sind z. B. die Vorbereitungsseminare und Umweltbildungswochen am Ökologischen Schullandheim Licherode vom hessischen Kultusministerium als offizielle Lehrerbildung anerkannt und werden sogar mit Fortbildungspunkten honoriert, sicherlich eine sinnvolle Anregung auch für andere Bundesländer.

Bei der Auswahl der gewünschten Themenschwerpunkte für eine Umwelt-Klassenfahrt sind klassische Bereiche des Naturschutzes und Naturerlebens die absoluten Spitzen-reiter. Projektwochen zu den Themen Biber, Naturschutz und Wald trafen auf 100%-iges Interesse und lagen damit sogar noch vor dem Themenkomplex Wasser (94 %), der ja eigentlich einen besonderen Bezug zum Köln-Bonner-Raum aufweisen sollte. Die Bereiche „Ernährung“ (82 %) und Energie (71 %) fallen demgegenüber etwas ab, bewegen sich aber immer noch auf einem sehr hohen Niveau.

Die Lehrer wünschen für ihre Kinder gesundes Essen

Die Zeiten der uneingeschränkten Akzeptanz einer Jugendherbergs-Billig-Verpflegung mit Pommes und Schnitzelchen sind offenbar vorbei. Dies gilt zumindest für die verantwortlichen Lehrkräfte, denen die erschreckenden Meldungen und die eigenen Erfahrungen über den Gesundheitszustand ihrer Schüler ganz offensichtlich sehr auf den Magen geschlagen sind.

Über 80% der Befragten wünschen sich für ihre Schüler ein gesundes und regionales Essen, über 70 % halten auch weiter gehende Aspekte wie Bio und Vollwert für wichtig. Die „normale“ Kantinenkost wurde von nur noch knapp 20% bevorzugt, und dann auch nur aus Kostengründen.

Dieser positive Imagewert bestätigt, dass die Verbindung von „gesund, regional und bio“ nicht nur für die Ernährung unserer Kinder sinnvoll ist, sondern auch die Marktchancen von Umweltbildungseinrichtungen zumindest bei Lehrkräften als den Hauptentscheidern für Klassenfahrten erhöhen kann.

Weitere Befragung bestätigt die Ergebnisse

Im Zeitraum von Februar bis März 2007 wurde die Befragung, in leicht angepasster Form, ein weiteres Mal durchgeführt, diesmal an den Schulen des Saarlandes. Von den angesprochenen 250 Schulen haben mit 26 Schulen gut 10 % die Fragebögen ausgefüllt und zurückgeschickt, die Ergebnisse bestätigen im Wesentlichen die Ergeb-nisse der Untersuchung im Köln-Bonner-Raum.

Die Ergebnisse beider Befragungen, die in einer 40 Seiten umfassenden Studie zu-sammengefasst sind, fließen in die weitere Konzeptionierung und konkrete Arbeitsplanung für das Schullandheim und Naturerlebniszentrum „BiberBurg Berschweiler“ ein, das Mitte 2007 seinen regulären Bildungsbetrieb aufnimmt. Über die Angebote der BiberBurg kann man sich z. B. im Internet unter www.biberburg-berschweiler.de informieren.

Kontakt und weitere Infos:

Umweltbildungszentrum Licherode
Ökologisches Schullandheim und Tagungshaus
Lindenstraße 14, 36211 Alheim
Tel. 05664 / 9486-0    Fax  05664 / 9486-40
Mail: oekonetz.licherode@t-online.de
www.oekologische-bildung.de

BiberBurg Berschweiler
Schullandheim und Naturerlebniszentrum
des Zweckverbandes Illrenaturierung
In der Meulwies 1, 66646 Marpingen
Tel. 06827 / 1502    Fax  06827 / 1547
Mail: info@biberburg-berschweiler.de
www.biberburg-berschweiler.de

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